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Old 04-16-2004, 06:03 PM   #1 (permalink)
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Hallo!
Ich bin Germanistik-Studentin und schreibe im Augenblick eine Hausarbeit zum Thema "Die romantische Ironie in E.T.A. Hofmanns Prinzessin Brambilla". Wer hat Lust, meine Einleitung zu lesen und die eventuellen Fehler zu korrigieren?
Ich bedanke mich schon im Voraus und verbleibe

met vriendelijke groeten uit Nederland.

Aurélie

PS: Ja, ja! Ich bin Französin, aber studiere dieses Jahr in den Niederlanden!...


,Prinzessin Brambilla ist eine gar köstliche Schöne, und wem diese durch ihre Wunderlichkeit nicht den Kopf schwindlig macht, der hat gar keinen Kopf.‘ So beschrieb Heinrich Heine 1822 das letzte Hoffmannsche Werk in seinem dritten Brief aus Berlin. E.T.A. Hoffmanns Capriccio nach Jakob Callot ist in der Tat ebenso doppeldeutig und widersprüchlich wie Friedrich Schlegels romantische Ironieauffassung: Es ist zugleich ,ein klares Bewußtsein der ewigen Agilität [und] des unendlich vollen Chaos‘ . Wenn man die Definition der Ironie – Begriff, der aus dem Griechischen „Verstellung“ kommt - in einem Wörterbuch näher nachschlägt, wird die romantische Ironie als ,ein künstlerisches Experimentieren, ein Spiel mit einem Gegenstand seitens eines sich als autonom auffassenden Subjekts (z.B. bei L. Tieck, Novalis u.a.)‘ bestimmt.
Welche Metaphern können tatsächlich besser/vollkommener die Seele/der Geist/das Wesen des Werkes wiedergeben/ausspinnen/zusammenfassen als diese des Chaos und des Spiels? Spiel der Musik, Spiel des Karnevals, Spiel der Comedia dell’arte, Spiel aller Künste enthält dieser ,wunderliche Wirrwarr‘ , dieses karnavaleske Kaleidoskop ebenso wie das Märchen Klein-Zaches, genannt Zinnober ,nichts weiter als die lose, lockre Ausführung einer scherzhaften Idee‘. Am Beispiel des Vorworts, in dem ein fiktiver Herausgeber vor jedem Mißverständnis warnen will und im voraus demütiglich erklärt, dass ,die Prinzessin Brambilla ein Buch ist für Leute, die bereit sein sollten, auf einige Stunden dem Ernst zu entsagen und sich dem kecken, launischen Spiel eines vielleicht manchmal zu frechen Spukgeistes zu überlassen‘, können wir uns zu Recht fragen, ob nicht nur ,Callots phantastisch karikierte Blätter‘ sondern auch die Ironie als ,die Basis des Ganzen‘ betrachtet werden kann.
Hier stoßen wir aber auf ein zentrales Problem, nämlich an den manchmal sehr fließenden Grenzen zwischen den verschiedenen rhetorisch-stilistischen Mitteln, auf welche die Termini Groteske, Ironie, Satire, Spott, Humor, Komik, Witz, Paradoxon, Parodie oder noch Karikatur verweisen. Wie hebt sich Ironie von Humor, Komik und Witz ab? Was versteht man unter ‚romantische Ironie‘? Inwiefern können wir betrachten, dass Hoffmann sie auf ihren Höhepunkt führt?
Unsere Arbeit wird also im wesentlichen darin bestehen, ,die Ausdrucksform der Uneigentlichkeit par excellence‘ ins Licht zu setzen und uns mit deren vielfältigen Erscheinungsformen in Prinzessin Brambilla auseinanderzusetzen. Wie das Stilmittel der Ironie selbst setzt aber diese subtile Analyse ,Distanz und Bereitschaft zu Kritik und Selbstkritik‘ voraus. Nur durch diese Methode werden wir imstande sein, die romantische Ironie und deren ,spielerischen Umgang mit Wirklichem und Möglichem, Vergangenem und Künftigem‘, von dem der (Siegener) Sprach- und Literaturwissenschaftler (aus Siegen) Prof. Dr. Ralf Schnell im Vorwort seines Buches Die verkehrte Welt: Literarische Ironie im 19. Jahrhundert spricht - ,diese Veränderungsenergien mithin, die sich mit Witz zu paaren verstehen und, nicht zuletzt, mit der Fähigkeit zu lachen‘ - hervorzuheben.
Inwiefern ist das Verhältnis zwischen dem Erzähler und dem Leser als ein ironisches Komödienspiel zu verstehen? Was spiegeln Hoffmanns dualistische Welten sowie Figuren und deren wüstes Durcheinander / verworrene Lage wider? Wie vereinigen sich Ironie und Humor in einem dialektischen Spiel, das zur Erkenntnis der Wahrheit des Märchen sowie zur Selbsterkenntnis der Figuren führt? Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen, auf diese Forschungsfragen eine Antwort zu geben.
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Old 04-20-2004, 09:10 PM   #2 (permalink)
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„Prinzessin Brambilla ist eine gar köstlich Schöne, und wem diese durch ihre Wunderlichkeit nicht den Kopf schwindlig macht, der hat gar keinen Kopf‘, so beschrieb Heinrich Heine 1822 das letzte Hoffmannsche Werk, in seinem dritten Brief aus Berlin. E.T.A. Hoffmanns Capriccio nach Jakob Callot, ist in der Tat ebenso doppeldeutig und widersprüchlich wie Friedrich Schlegels romantische Ironieauffassung: „Es ist zugleich ein klares Bewusstsein der ewigen Agilität des unendlich vollen Chaos.“ Wenn man die Definition der Ironie – Begriff, der aus dem Griechischen „Verstellung“ kommt, in einem Wörterbuch näher nachschlägt, wird die romantische Ironie, als ein künstlerisches Experimentieren, ein Spiel mit einem Gegenstand, seitens eines sich als autonom auffassenden Subjekts (z.B. bei L. Tieck, Novalis u. a.), bestimmt.
Welche Metaphern können tatsächlich das Wesen des Werkes vollkommener wiedergeben, als diese des Chaos und des Spiels?
Spiel der Musik, Spiel des Karnevals, Spiel der Comedia dell’arte, Spiele aller Künste, enthält dieser ,wunderliche Wirrwarr‘, dieses karnevalistische Kaleidoskop, ebenso wie das Märchen Klein- Zaches, genannt Zinnober, nichts weiter, als die lose, lockre Ausführung einer scherzhaften Idee.
Am Beispiel des Vorworts, in dem ein fiktiver Herausgeber vor jedem Missverständnis warnen möchte und im Voraus demütig erklärt, dass es sich bei der „Prinzessin Brambilla“ um ein Buch handelt, für Leute, die bereit sein sollten, auf einige Stunden dem Ernst des Lebens zu entsagen, um sich dem kecken, launischen Spiel eines vielleicht manchmal zu frechen Spukgeistes zu überlassen, können wir uns zu Recht fragen, ob nicht nur ,Callots phantastisch karikierte Blätter‘, sondern auch die Ironie, als die „Basis des Ganzen“, betrachtet werden kann.
Hier stoßen wir aber auf ein zentrales Problem, nämlich auf die manchmal sehr fließenden Grenzen zwischen den verschiedenen rhetorisch-stilistischen Mitteln, auf welche die Termini Groteske, Ironie, Satire, Spott, Humor, Komik, Witz, Paradoxon, Parodie oder auch Karikatur, verweisen.
Wie hebt sich Ironie von Humor, Komik und Witz ab?
Was versteht man unter ‚romantischer Ironie‘?
Inwiefern können wir beobachten (?), dass Hoffmann sie auf ihren Höhepunkt führt?
Unsere Arbeit wird also im Wesentlichen darin bestehen, in Prinzessin Brambilla, die Ausdrucksform der Uneigentlichkeit par 'excellence‘ ins Licht zu setzen und uns mit deren vielfältigen Erscheinungsformen auseinanderzusetzen.
Wie das Stilmittel der Ironie selbst, setzt aber diese subtile Analyse, Distanz und Bereitschaft für Kritik und Selbstkritik voraus. Nur durch diese Methode werden wir imstande sein, die romantische Ironie und deren „spielerischen Umgang mit Wirklichem und Möglichem, Vergangenem und Künftigem“, von dem der Siegener Sprach- und Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Ralf Schnell, im Vorwort seines Buches „Die verkehrte Welt“, literarische Ironie im 19. Jahrhundert, spricht, diese Veränderungsenergien mithin, die sich mit Witz zu paaren verstehen und nicht zuletzt, mit der Fähigkeit zu lachen, hervorzuheben.
Inwiefern ist das Verhältnis zwischen dem Erzähler und dem Leser als ein ironisches Komödienspiel zu verstehen?
Was spiegeln Hoffmanns dualistische Welten, sowie Figuren und deren verworrene Lage wieder?
Wie vereinigt sich in einem dialektischen Spiel, das zur Erkenntnis der Wahrheit des Märchens, sowie zur Selbsterkenntnis der Figuren führt, Ironie und Humor?

Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen, auf diese Forschungsfragen eine Antwort zu geben.

Henni
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